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Familienstiftung: Vorteile, Nachteile und steuerliche Chancen
ARTIKEL | 6 Min.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eine Familienstiftung gehört niemandem – sie gehört sich selbst.
- Sie eignet sich für Vermögensschutz, Nachfolgeplanung und langfristigen Vermögensaufbau.
- Die Gründung dauert deutlich länger als bei einer GmbH und erfordert mehr Kapital.
- Vermögen in der Stiftung ist vor vielen privaten Risiken geschützt.
- Bei Wertpapieren und Immobilien können sich erhebliche steuerliche Vorteile ergeben.
- Die Stiftung bietet besondere Gestaltungsmöglichkeiten bei Ausschüttungen innerhalb der Familie.
Was ist eine Familienstiftung?
Wenn von Stiftungen die Rede ist, denken viele zunächst an gemeinnützige Organisationen, die Spenden sammeln oder soziale Projekte fördern.
Daneben gibt es jedoch die Familienstiftung.
Eine Familienstiftung verfolgt keine gemeinnützigen Zwecke, sondern dient dem langfristigen Erhalt und Schutz von Familienvermögen. Sie kann wirtschaftlich tätig sein, Vermögen verwalten, Immobilien halten oder Unternehmensbeteiligungen besitzen.
Die Besonderheit dabei:
Die Stiftung hat keinen Eigentümer. Sie gehört sich selbst.
Genau diese Eigenschaft macht die Rechtsform für viele Unternehmer und Investoren interessant.
Die größten Nachteile einer Stiftung
Bevor über steuerliche Vorteile gesprochen wird, sollten zunächst die Herausforderungen betrachtet werden.
Lange Gründungsdauer
Eine GmbH kann innerhalb weniger Wochen gegründet werden.
Bei einer Stiftung sieht das anders aus.
Die Stiftung muss von der zuständigen Stiftungsaufsicht anerkannt werden. Dieser Prozess kann mehrere Monate dauern und bei komplexen Vermögensverhältnissen sogar bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen.
Besonders aufwendig wird es bei:
- Immobilienvermögen
- Unternehmensbeteiligungen
- größeren Vermögensstrukturen
Höherer Kapitalbedarf
Auch beim Mindestvermögen unterscheidet sich die Stiftung deutlich von einer GmbH.
Während bei einer GmbH bereits 12.500 Euro als Einzahlung ausreichen, verlangen die Stiftungsbehörden je nach Bundesland deutlich höhere Beträge.
In der Praxis bewegen sich die Anforderungen häufig zwischen:
- 50.000 Euro
- 100.000 Euro
- 200.000 Euro
- teilweise sogar 250.000 Euro Dieses Vermögen wird dauerhaft der Stiftung gewidmet.
Eingeschränkte Verfügbarkeit des Stiftungsvermögens
Das einmal gestiftete Vermögen soll grundsätzlich dauerhaft erhalten bleiben.
Anders als Gesellschaftsanteile an einer GmbH kann die Stiftung nicht einfach verkauft werden.
Wer Vermögen in eine Familienstiftung überträgt, sollte daher langfristig denken.
Die wichtigsten Vorteile einer Familienstiftung
Trotz der genannten Nachteile entscheiden sich immer mehr Unternehmer und Investoren für diese Struktur.
Der Grund liegt vor allem in den langfristigen Vorteilen.
Vermögensschutz
Da das Vermögen nicht mehr dem Stifter gehört, wird es grundsätzlich auch nicht dessen Privatvermögen zugerechnet.
Dadurch kann es vor bestimmten privaten Risiken geschützt werden, beispielsweise:
- Insolvenz
- Scheidung
- Erbstreitigkeiten
- Wegzug ins Ausland Gerade Unternehmer nutzen diesen Aspekt häufig zur langfristigen Absicherung ihres Vermögens.
Planbare Vermögensnachfolge
Ein weiterer Vorteil betrifft die Nachfolgeplanung.
Da das Vermögen bereits der Stiftung gehört, fällt es grundsätzlich nicht in den klassischen Nachlass.
Stattdessen unterliegt die Stiftung der sogenannten Erbersatzsteuer, die alle 30 Jahre anfällt. Dadurch entsteht eine hohe Planbarkeit bei der Vermögensnachfolge.
Flexible Begünstigung der Familie
Bei einer GmbH können Gewinne grundsätzlich nur an die Gesellschafter ausgeschüttet werden.
Eine Stiftung bietet deutlich mehr Möglichkeiten.
Begünstigt werden können alle Personen, die in der Stiftungssatzung vorgesehen sind, beispielsweise:
- Ehepartner
- Kinder
- Enkelkinder Dadurch lassen sich Vermögenswerte gezielt innerhalb der Familie verteilen.
Steuerliche Vorteile bei Wertpapieren
Besonders interessant wird die Stiftung bei Kapitalanlagen.
Während private Anleger regelmäßig der Abgeltungsteuer unterliegen, kann die Stiftung von besonderen steuerlichen Regelungen profitieren.
Je nach Art der Kapitalanlage ergeben sich erhebliche Unterschiede.
Vor allem bei Beteiligungsverkäufen und bestimmten Kapitalerträgen bestehen steuerliche Begünstigungen, die für langfristig orientierte Investoren attraktiv sein können.
Steuerliche Vorteile bei Immobilien
Auch Immobilieninvestoren betrachten die Stiftung häufig als interessante Struktur.
Zu den Vorteilen gehören:
- laufende Besteuerung auf Stiftungsebene
- langfristiger Vermögensaufbau innerhalb der Stiftung
- Möglichkeiten zur Nachfolgeplanung
- Vermögensschutz Besonders relevant ist, dass Immobilien innerhalb einer Stiftung anders behandelt werden können als in klassischen Kapitalgesellschaften. Dadurch ergeben sich zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Vermietung von Vermögenswerten innerhalb einer Unternehmensgruppe
Neben Immobilien können auch andere Wirtschaftsgüter über die Stiftung gehalten werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Fahrzeuge
- Maschinen
- Werkzeuge
- Markenrechte
- Lizenzrechte Diese können an operative Unternehmen überlassen werden. Dadurch entstehen interessante Strukturierungs- und Finanzierungsmöglichkeiten innerhalb einer Unternehmensgruppe.
Für wen kann sich eine Familienstiftung lohnen?
F ür wen kann sich eine Familienstiftung lohnen?
Eine Familienstiftung kann insbesondere interessant sein für:
- Immobilieninvestoren
- Unternehmer
- vermögende Familien
- Personen mit langfristigem Vermögensaufbau
- Unternehmer mit Nachfolgebedarf Weniger geeignet ist sie häufig für Personen, die kurzfristig auf ihr Vermögen zugreifen oder dieses flexibel verkaufen möchten.
Fazit
Die Familienstiftung ist weit mehr als ein Instrument für sehr große Vermögen.
Sie kann Vermögensschutz, Nachfolgeplanung und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten miteinander verbinden.
Dem stehen allerdings eine längere Gründungsdauer, höhere Anforderungen an das Anfangsvermögen und die dauerhafte Bindung des Stiftungsvermögens gegenüber.
Ob sich eine Stiftung im konkreten Einzelfall lohnt, hängt letztlich von den persönlichen Zielen, der Vermögensstruktur und den langfristigen Plänen ab.
FAQ
Wem gehört eine Familienstiftung?
Niemandem. Die Stiftung ist eine eigenständige juristische Person und gehört sich selbst.
Wie viel Vermögen benötigt man für eine Stiftung?
Je nach Bundesland werden häufig zwischen 50.000 und 250.000 Euro Mindestvermögen verlangt.
Kann man Vermögen aus der Stiftung wieder entnehmen?
Erträge können ausgeschüttet werden. Das ursprüngliche Stiftungsvermögen soll grundsätzlich erhalten bleiben.
Schützt eine Stiftung vor Erbstreitigkeiten?
Ja. Da das Vermögen bereits der Stiftung gehört, wird es grundsätzlich nicht Teil des klassischen Nachlasses.
Eignet sich eine Stiftung für Immobilieninvestoren?
Ja. Viele Immobilieninvestoren nutzen Familienstiftungen für Vermögensschutz, Nachfolgeplanung und langfristigen Vermögensaufbau.
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